Chronik


 

 

Kurz und knapp 

Großenenglis ist einer von ingesamt 14 Stadtteilen der ehemaligen nordhessichen Bergbaumetropole Borken (Hessen). Die vormals eigenständige Gemeinde wurde 1974 im Rahmen der Hessischen Gebietsreform der Nachbarstadt angegliedert.

Das Dorf bewohnen zzt. 1.065 Einwohnern (incl. Zweitwohnsitzmeldungen). Mit einer Gesamtfläche von 998 ha übertrifft es sowohl die Größe der Kernstadt als auch die der übrigen einzelnen Stadtteile.   

Geografische Lage

Großenenglis liegt an einem Südhang des südöstlichen Kellerwaldausläufers auf einer Höhe von 220 Metern über dem Meeresspiegel und grenzt im Norden an die Gemarkung der 7 km weiter gelegenen Domstadt Fritzlar sowie im Osten an Udenborn, einen Ortsteil der Großgemeinde Wabern. 

Chronik 

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 775 n. Chr. als „Angelgise“ im Breviarium Sancti Lulli, dem Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld. Im Jahr 1196 hieß das Dorf „Engilgis“, 1225 „Engilgis major“ (lat. der größere oder ältere) und unterschied sich dadurch vom Nachbarn Kleinenglis.

1427 rückte Großenenglis durch die Schlacht bei Englis im Verlauf der Mainzerisch-Hessischen Auseinandersetzungen erstmals ins Licht der Geschichte. Davon zeugt noch heute das eigentliche Wahrzeichen, der als Glockenturm der Kirche genutzte, 1431 errichtete Wehrturm "Warte auf der Landwehr", Teil einer Sicherungs- und Grenzbefestigungsanlage des langräflich hessischen Amtes Borken. Dann folgte das bisher größte Leid 1635 während des 30-jährigen Krieges, als das Dorf auf Anordnung des bayerischen Generals von Bönninghausen bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Auch die zahlreich wechselnden Truppenbewegungen des 7-jährigen Krieges 1756 - 1763 hinterließen ihre Spuren, was die damalige ortsansässige Bevölkerung deutlich zu spüren bekam: Braunschweiger, Engländer und Franzosen bezogen hier Quartier und mussten versorgt werden. Durch den Siegeszug Napoleon Bonapartes 1806 gehörte der Ort zwischenzeitlich zum neu entstandenen Königreich Westphalen, Departement Fulda, Kanton Fritzlar, bis er nach den Berfreiungskriegen sowie den Ergebnissen des Wiener Kongresses 1814/1815 wieder hessisch wurde und seit 1821 Bestandteil des neuen Kreises Fritzlar.

Am 18. September 1936 nutzte die deutsche Wehrmacht die günstige Lage des Schlachtfeldes von 1427, die Großenengliser Platte, eine Senke Richtung Udenborn/Uttershausen, um dort im Anschluss an eine 2-tägige Gefechtsübung im Raum Homberg/Efze eine eindrucksvolle Militärparade durchzuführen. Eine gigantische Darbietung in Anwesenheit des Generalstabes und ihres obersten Befehlshabers, des zuvor vom Bahnhof Zennern angereisten "Führers" und Reichskanzlers Adolf Hitler - vor nahezu 50.000 Zuschauern!

Seit 1939, damals noch 710 Einwohner, stieg die Zahl kriegsbedingt durch den Zustrom zahlreicher Flüchtlinge aus den eroberten Ostgebieten des Reiches sowie aus weiten Teilen Süd- und Osteuropas gewaltig an und erreichte im Jahr 1949 wohl ihren Höhepunkt mit 1.339 Personen.

Dem zunehmenden Braunkohleabbau der Grube "Altenburg II" musste ab 1951 ein ganzer Ortsteil weichen, insgesamt 35 Wohnhäuser. Ein Neubaugebiet im Norden des Dorfes entstand und konnte bis 1960 vollständig bebaut werden. Trotzdem verringerte sich die Zahl an Einwohnern zwischen 1949 und 1989 deutlich. Nach dem Stand der Volkszählung 1987 bewohnten den Ort zwischenzeitlich nur noch 1.055 Personen.

Im Jahre 1973 fand in Hessen auf Beschluss der Wiesbadener Landesregierung eine neue Gebietsreform statt. Der Plan des damaligen Landkreises Fritzlar-Homberg sah vor, die Gemeinde Großenenglis der benachbarten Kleinstadt Borken (Hessen) einzugliedern. Dort aber bestand die Absicht, einen selbständigen Gemeindeverband, bestehend aus den Orten Arnsbach, Gombeth, Großenenglis, Kerstenhausen, Kleinenglis und Udenborn, ins Leben zu rufen. Dieses Vorhaben, die Gruppe 7, kam allerdings nicht zustande. Lediglich Kerstenhausen (Ortsteil) und Kleinenglis (Kerngemeinde) bildeten vom 31.12.1971 bis 31.12.1973 eine kommunale Einheit. Dann aber setzten sich die Befürworter der Borkener Variante durch: Am 01. Januar 1974 wurden aus den Gemeinden Arnsbach, Gombeth, Großenenglis, Kerstenhausen und Kleinenglis - zusammen mit 9 weiteren Dörfern - Stadtteile der damaligen Bergbaumetropole. Udenborn ist seit dieser Zeit Ortsteil von Wabern.

Das zuvor noch überwiegend landwirtschaftlich geprägte Bild veränderte sich zunehmend durch den allgemeinen Strukturwandel. Angesiedelte Industrie, Handel und sonstige Dienstleistungsbetriebe verdrängten nach und nach die vorhandene dörflich ländliche Idylle. Nur noch wenige vollerwerbsgeführte Höfe haben diesen Prozess überstanden.

Die wohl bittersten und bedrückensten Stunden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte der Ort wohl am 01.06.1988. Von den tragischen Ereignissen im Zusammenhang mit dem Grubenunglück im Borkener Stadtteil Stolzenbach blieb auch Großenenglis nicht verschont und musste den völlig unerwarteten Tod von zwei ortsbekannten Einwohnern, Bergleuten im Tiefbau, hinnehmen. Die Beisetzung der Verunglückten fand unter großer Anteilnahme, besonders aus den Reihen der ortsansässigen Bevölkerung, statt.

An die wohl nicht immer vorhandene und oftmals verklärte "gute alte Zeit" erinnern noch heute im Ortskern beeindruckende Zeugen längst vergangener Epochen aus Fachwerk, Lehm und Stein, so ein eindrucksvolles Ensemble des mittelalterlichen Gutshofbaues, mit arrondierten großzügigen Wirtschaftsgebäuden und einem prächtigen Wohnhaus mit hohem Dach auf Fachwerkobergeschoss und gotischem Erdgeschoss; dicht daneben das schon erwähnte Wahrzeichen, ein freistehender, weithin sichtbarer ehemaliger Wehrturm, der mit seinem Glocken beherbergendem Holzaufbau 24 m hoch ist und so als Kampanile schon lange Zeit als Großenengliser Kirchturm genutzt wird.

 

 Quelle: regiowiki.hna.de